Innovative Heiztechnik mit Eisspeicher | 24.04.26

Infoveranstaltung | Essenbach

Ein Besuch mit Aha-Effekt: Im neuen Landshuter Landratsamt wurde sichtbar, wie innovative Heiztechnik mit Eisspeicher schon heute effizient und klimafreundlich funktioniert. Das Zusammenspiel mehrerer Technologien zeigt, welches Potenzial in durchdachten Energiekonzepten für öffentliche Gebäude steckt.

Auf Initiative der Grünen Stadtratsfraktion besuchten Mitglieder von Partei und Stadtrat das neue Landshuter Landratsamt – und staunten über eine Heiztechnologie, die Energie beim Gefrieren des Wassers abgreift.

Die Hersbruckerinnen und Hersbrucker folgten einer parteiübergreifenden Einladung von Kommunalpolitikerinnen und -politikern aus dem Landkreis Landshut. Ziel war, sich ein Bild von dem zu machen, was dort an Haustechnik realisiert wurde – und was davon möglicherweise als Anregung für öffentliche und private Gebäude auch in Hersbruck dienen könnte.

Das neue Landratsamt bietet auf drei Ebenen rund 600 Arbeitsplätzen eine neue Heimat – von der Tiefbauverwaltung über das Jugendamt bis zur Kfz-Zulassungsstelle, ebenso das Jobcenter und die Rettungsleitstelle. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 108 Mio. €, bei reinen Gebäudekosten von 95 Mio. €.

Das Herzstück: Wärme aus gefrierendem Wasser

Das eigentliche Highlight der Besichtigung befand sich nicht im lichtdurchfluteten Atrium und auch nicht im großen Sitzungssaal – sondern darunter im Keller. Dort lagert der Eisspeicher, gefüllt mit 450 m³ Wasser, etwa so groß wie der Sitzungssaal.

Das Prinzip dahinter ist verblüffend schlicht: Wenn Wasser zu Eis gefriert, gibt es mehr Energie ab als beim bloßen Abkühlen von Wasser. Der Eisspeicher macht sich genau diese Eigenschaft zunutze.

„Das Faszinierende ist die Menge an Energie, die im Wechsel zwischen Eis und flüssigem Wasser steckt“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der kommunalen Baugesellschaft, Thomas Stöckl, den Besuchern. Das macht den Eisspeicher zu einem kompakten und wartungsarmen Langzeitspeicher.

Das Zusammenspiel: Vier Technologien, ein System

Was das Energiekonzept des neuen Landshuter Landratsamts so überzeugend macht, ist nicht eine einzelne Technologie, sondern ihr intelligentes Ineinandergreifen. Vier Komponenten bilden ein abgestimmtes Gesamtsystem, das über alle Jahreszeiten hinweg funktioniert.

  1. Photovoltaik mit Batteriespeicher: Eine Anlage mit rund 450 Kilowattpeak auf dem Dach erzeugt den Großteil des Eigenstroms. Dieser treibt vorrangig die Wärmepumpe an.
  2. Eisspeicher: Er fungiert als saisonaler Puffer. Im Sommer lädt ihn die Umweltwärme auf; im Winter gibt er beim Gefrieren seine Kristallisationswärme an die Wärmepumpe ab. Das Wasser wechselt dabei zwischen flüssigem und festem Aggregatzustand – vollständig im geschlossenen System, ohne jede Emission.
  3. Wärmepumpe: Sie ist die zentrale Schaltstelle. Im Heizbetrieb entzieht sie dem Eisspeicher Energie und verdichtet sie auf Heiztemperatur. Im Kühlbetrieb dreht sich die Richtung um: Überschusswärme aus den Büroräumen wird in den Speicher geleitet und kühlt das Gebäude passiv und effizient.
  4. Luftwärmepumpe und Solarthermie: Sie ergänzen bei jahreszeitlichen Schwankungen den Heizungsbedarf effektiv und regenerieren den Eisspeicher.

Parteiübergreifendes Fazit: Begeisterung

Die Reaktionen der Besucherinnen und Besucher fielen bemerkenswert einhellig aus – und das über alle Fraktionsgrenzen hinweg. „Ich hätte nicht gedacht, dass man mit Wasser, das gefriert, ein Gebäude dieser Größe beheizen kann“, sagte ein Besucher nach der Führung. Eine Vertreterin der Landshuter Grünen ergänzte: „Das ist keine Zukunftstechnologie mehr. Das ist Gegenwart – und wir haben sie jetzt mitten im Landkreis.“

„Mich überzeugt zusätzlich die Verwirklichung der Schwammstadtidee: Das Regenwasser wird in Mulden zurückgehalten, bis es im Grundwasser versickert. Die Sickermulden fügen sich naturnah in die Außenanlagen ein“, so Ulrike Eyrich beim anschließenden Austausch mit den Landshuter Kommunalpolitikerinnen und -politikern.

Was andere Kommunen daraus lernen können

Das Landshuter Modell ist kein Einzelfall, aber noch längst keine Selbstverständlichkeit. Dabei eignet sich das Konzept aus Eisspeicher, Wärmepumpe, Photovoltaik und Solarthermie grundsätzlich für jeden Neubau öffentlicher Gebäude – Schulen, Feuerwehrhäuser, Verwaltungsgebäude.

Eisspeicher im Privathaus – geht das?

Die Frage stellte sich nach der Führung fast zwangsläufig: Was davon lässt sich auf das private Eigenheim übertragen? Die Antwort ist ermutigend – mit Einschränkungen. Für Bestandsgebäude mit Heizkörpern ist die Technologie hingegen nur bedingt geeignet, da Eisspeicher-Wärmepumpen nur effizient bei niedrigen Vorlauftemperaturen arbeiten.

Das Fazit des Besuchstages in Landshut ließ sich auf den Heimfahrten nach Hersbruck wohl in einen Satz zusammenfassen: Die Technologie ist bereit. Die Frage ist nur: Wo wird sie als Nächstes zum Zuge kommen – im nächsten Verwaltungsgebäude, der nächsten Schule oder dem eigenen Garten?


Ein großes Dankeschön an Herrn Stöckl und dem Team der kommunalen Baugesellschaft für diesen spannenden Einblick!

Weitere Informationen zum Landratsamt Landshut in Essenbach und dem Gebäude findest du hier:
https://www.landkreis-landshut.de/aktuelles/neubau-landratsamt-landshut/

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